
Zeichenkurs: Einleitung

Bevor es losgeht:
Ich habe mich entschlossen auf diesen Blogseiten einen kleinen Zeichenkurs anzubieten. Der Hintergrund ist folgender: Ich ärgere mich immer mehr, dass im Internet minderwertige Zeichenanleitungen geboten werden, die zwar zeigen, wie man Probleme umschiffen kann, jedoch nicht die Probleme löst. Es wird mir in diesem Zeichenkurs darum gehen das Grundlegende beim Zeichnen zu vermitteln – nämlich das, was man sieht zu Papier zu bringen (Ich bediene mich in der Hinsicht hauptsächlich der Methodik, die Betty Edwards in ihrem Buch anwendet). Erst dann kann man beginnen die Dinge zu abstrahieren. Auch das Zeichnen von Mangas und Comics ist das Abstrahieren etwas real gesehenes.
Es ist - entgegen der langläufigen Meinung – möglich auch die Fähigkeit des Zeichnens zu erlernen. Es wird nur zu selten genutzt. Die wenigsten Lehrer beziehen sich im Kunstunterricht auf die Methoden das richtige Zeichnen zu Lehren. Der traurige allgemeine Fall ist dann allerdings auch, dass die meisten Schüler das zeichnen aufgeben und sich selbst für Talentfrei erklären. Dies ist aber keinesfalls so: Sie haben nur nicht gelernt richtig zu sehen. Und das ist, was das richtige Zeichnen ausmacht. Ich werde in diesen Kurs lehren, wie man richtig sieht. Und diese Fähigkeit kann man noch in jedem Alter erlernen, egal, ob man noch zur Schule geht, oder nicht. Es wird in jeder Lektion ein paar Übungen geben. Diese Übungen sind dunkelgrau hinterlegt. Ich empfehle jedem diese Übungen nachzumachen und zwar egal, ob sie für Belanglos gehalten werden oder schon als erlangtes Können abgetan werden. Sie sind wichtig, um die Prozesse zu verstehen, die durch die Methoden vermittelt werden.
Bevor es nun richtig los geht, nehmt einen Bleistift und vier Blatt Papier zur Hand. Wir fertigen Die ersten Zeichnungen an. Das Anfertigen dieser Zeichnungen ist wichtig um den Fortschritt aufzuzeigen, der sich während dieses Kurses zeigen wird. Keine Angst: Diese Zeichnungen werdet nur ihr zu Gesicht bekommen. Und es ist nicht schlimm, wenn sie nicht so aussehen, wie ihr es wollt. Dafür nehmt ihr ja an diesen Kurs teil. Nehmt euch für die Zeichnungen So viel Zeit wie nötig. Es ist egal wie lange ihr braucht. Wenn ihr fertig seit, Schreibt auf die Rückseite das Datum. Zeichnet bitte Folgende Dinge:
- Einen Menschen zeichnen – wichtig ist dabei, dass ihr keine Vorlage oder Modell benutzt. Zeichnet einfach einen Menschen in voller Größe aus eurem Kopf auf eines der leeren Blätter.
- Den Kopf eines Menschen abzeichnen – zum Beispiel während er schläft oder vor dem Fernseher sitzt. Ihr könnt euch aber auch vor einen Spiegel setzen und das eigene Gesicht zeichnen, falls euch im Moment kein Modell zur Verfügung steht. Bitte benutzt aber Keine Fotografie als Vorlage!!!
- Zeichnet eure eigene Hand -Die Haltung ist dabei unwichtig. Wenn ihr Rechtshänder seit, zeichnet ihr eure linke, seit ihr Linkshänder, zeichnet ihr die rechte Hand ab.
- Zeichnet einen Stuhl ab – Stellt einen Stuhl vor euch hin und zeichnet diesen ab. Benutzt auch hier keine Fotografie als Vorlage!
Wenn ihr mit diesen Zeichnungen fertig seit, dreht die Blätter um und schreibt auf die Rückseite eine kurze Bewertung. Was gefällt euch an der jeweiligen Zeichnung und was nicht? Ganz mutige können jetzt noch die Zeichnungen auf ihren Blog Hochladen und hier her verlinken
Einleitung
Dieser Kurs richtet sich gleichermaßen an diejenigen, die mit dem Zeichnen bisher noch nicht viel zu tun hatten, es aber erlernen wollen, und an die, die schon einige Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt haben und ihre Fähigkeiten verbessern wollen. Die Techniken, die ich in diesen Kurs zeigen werde stützen sich hauptsächlich auf die Theorien der amerikanischen Zeichenlehrerin Betty Edwards, welche sehr erfolgreiche Methoden entwickelt hat um Ihren Schülern die Wege zu zeigen das zu zeichnen, was sie sehen. Dazu wird die Rechte Gehirnhälfte angesprochen. Denn in dieser – so Edwards - sitzen bei den Meisten Menschen die kreativen Bereiche, die für Bildliche Umsetzung und intuitive Prozesse genutzt werden. Andererseits sitzen in der Linken Hirnhemisphäre die Bereiche des Gehirns, die für das logische Denken und die Sprache genutzt werden. Dieses Schaubild verdeutlicht dies:
Roger W. Sperry
“Lateral Specializaüon of Cerebral Functions in the Surgically Separated Hemispheres”
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Die wichtigste Erkenntnis, die sich herauszukristallisieren scheint, ist, dass es anscheinend zwei Denkweisen gibt, die verbale und die nonverbale —, die weitgehend getrennt voneinander von der linken und der rechten Hemisphäre repräsentiert werden. Unser Bildungssystem wie auch unsere Wissenschaft allgemein neigt dazu, die nonverbale Form der Intelligenz zu vernachlässigen. Das hat zur Folge, dass die rechte Gehirnhälfte seitens unserer Gesellschaft diskriminiert wird.
Roger W. Sperry
“Lateral Specializaüon of Cerebral Functions in the Surgically Separated Hemispheres”
Man sieht also, dass die linke Hemisphäre eher für das Sprechen und das Schreiben verantwortlich ist. Ihre Eigenschaft ist es alles zu Kategorisieren und einander zuzuordnen. Sie denkt in Symbolen, Schrift und Sprache. Die rechte Gehirnhälfte ist ein Träumer, der in Gefühlen und Bildern denkt. Sie kann sich Regelrecht in Details eines Objektes, auf das sie sich konzentriert, verlieben und diese Details stundenlang betrachten. Sie ist absolut Zeitlos. Sie sieht Dinge und verbindet sie mit anderen Dingen. Dies ist ein kreativer Prozess. Durch diesen Prozess gelangen wir zum Beispiel auch an Ideen. Aber die rechte Gehirnhälfte ist stumm. Sie kann sich nicht verständlich machen. Und die linke Hälfte ist ungeduldig und nutzt ihre Redegewandtheit nur zu gern aus: Sie fällt der rechten Gehirnhälfte regelrecht ins Wort und übernimmt die Arbeiten, die eigentlich für die rechte zugeteilt werden. So geschieht es auch, dass wir uns einer Symbolischen Bildsprache beim Zeichnen bedienen. Die rechte Hälfte konzentriert sich auf ein Objekt und möchte gerade das gesehene zu Papier zu bringen, da kommt auch schon die linke und sagt so Sachen, wie “Hey, warum konzentrierst du dich so lange auf das Auge da? Das haben wir doch schon tausend mal gesehen. Hier: ich hab ein schickes Symbol für ein Auge. Benutz’ das doch! Dann bist du mit dem Bild auch viel schneller fertig!”
Und genau dieses Verhalten ist es, was uns daran hindert das gesehene so wie man es sieht auf Papier zu bringen. Aber es gibt Möglichkeiten der linken Hälfte beizubringen sich zurück zu halten und der rechten den vorrang zu lassen. Von diesen Möglichkeiten allerdings das nächste mal mehr.
Weiterführende literatur:
Vorbereiten auf die eigene Bestadtung
In den letzten Wochen ging es bei mir recht turbulent zu. Ich werde nämlich ab Dezember in Berlin wohnen und auch dort arbeiten. Dazu sind natürlich allerlei Vorbereitungen zu treffen. Unter anderen erweist sich die Wohnungsuche in Berlin nicht gerade als die leichteste (Wer uns unterstützen will: wir suchen 3 Zimmer bis 700€ warm in Wedding Prenzlauer Berg oder Pankow wäre schön aber generell nehmen wir alle Angebote, die uns unter die Finger kommen
).
Von einem kleinen Dorf im Westerwald nach Berlin ist ein weiter und aufregender Weg und deshalb gelingt es mir kaum noch den Blog aktuell zu halten. Aber ich gebe auch weiterhin mein Bestes. Um ein paar regelmäßige Beiträge zu Posten habe ich zum Beispiel den artigen Freitag ins Leben gerufen. Dies ist zumindest ein kleiner Termin, der mich wöchentlich daran erinnert doch meinen Blog einen Beitrag zu schenken. Allerdings plane ich auch schon länger ein größeres Projekt, auf das ihr euch freuen könnt.
Artiger Freitag vom 02.10.2009
Eine Woche ist es schon her, dass ich den artigen Freitag ins Leben gerufen habe. Einige haben mir schon deutliches Interesse bekundet. Ich hoffe noch mehr Hobbykünstler oder sogar ein paar professionelle machen noch mit. Diesen Freitag habe ich nur eine Skizze, die ich euch zeigen möchte, dafür habe ich aber auch ein Kunstwerk, welches mich diese Woche beeindruckt hat. Aber zuerst zur Skizze:
Es ist eine 2-Minuten-Skizze, die ich angefertigt habe, als ich in der Koblenzer UNI darauf gewartet habe ins Studienbüro zu kommen. Von den Wartebänken hat man einen guten Blick auf die Mensa und somit auch auf Potentielle Skizzen-Opfer
Das Stückchen Kunst, welches ich euch heute zeigen möchte, bildet ein sich immer im Wandel befindliches Gesamtkunstwerk, das von 4 Künstlern über ein Paint Chat gleichzeitig wurde. Sehr beeindruckend, wie ich finde… Vielelicht erklären sich ja ein Paar von euch zu solch einer Aktion bereit und wir könnten auch mal so etwas machen. Meldet euch dazu ruhig in den Kommentaren